Zusammenfassung des Expert Reviews der American Gastroenterological Association (AGA) zu Hämorrhoiden aus dem Jahr 2026:
Die wichtigsten Aussagen auf einen Blick
Hämorrhoiden verursachen typischerweise:
Starke Schmerzen sind nicht typisch für gewöhnliche Hämorrhoiden. Treten starke Schmerzen auf, steckt häufig eine andere Ursache dahinter (z. B. eine Analfissur oder eine akut thrombosebedingte Hämorrhoide).
Als erste Behandlung empfehlen die Autoren:
Diese Maßnahmen können Beschwerden oft deutlich reduzieren und sind die wichtigste Erstbehandlung.
Lokale Mittel wie:
können kurzfristig Beschwerden lindern. Die wissenschaftliche Evidenz für ihre Wirksamkeit ist jedoch insgesamt schwach. Kortisonhaltige Präparate sollten nicht länger als zwei Wochen am Stück angewendet werden.
Die AGA empfiehlt bei neuen Patienten möglichst eine Untersuchung des Analkanals mittels Anoskopie. Dadurch können andere Erkrankungen – einschliesslich Darmkrebs oder Analfissuren – ausgeschlossen werden. Bei Blutungen kann zusätzlich eine Darmspiegelung erforderlich sein.
Wenn Ernährungs- und Verhaltensmassnahmen nicht ausreichen, werden zunächst minimalinvasive Behandlungen empfohlen:
Beide Verfahren können ambulant durchgeführt werden und sind wirksam. Die Gummibandligatur zeigt langfristig etwas bessere Ergebnisse bei vorfallenden oder wiederkehrend blutenden Hämorrhoiden.
Eine chirurgische Behandlung wird vor allem empfohlen bei:
Die Mehrheit der Patienten benötigt keine Operation.
Schwangerschaft:
Hämorrhoiden sind sehr häufig. Zunächst werden konservative Massnahmen empfohlen; invasive Eingriffe sollten möglichst erst nach der Geburt erfolgen.
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa):
Eine Behandlung der Hämorrhoiden sollte möglichst erst in einer stabilen Remission erfolgen.
Leberzirrhose:
Hier muss sorgfältig zwischen Hämorrhoiden und Rektumvarizen unterschieden werden.
Wenn sich ein Blutgerinnsel in einer Hämorrhoide bildet, entstehen oft starke Schmerzen. In solchen Fällen kann eine operative Entlastung (Eröffnung und Entfernung des Gerinnsels) die Beschwerden am schnellsten lindern.
Fazit
Die AGA betont, dass Hämorrhoiden in den meisten Fällen ohne Operation behandelt werden können. Die wirksamsten Massnahmen sind zunächst eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichendes Trinken und die Vermeidung von Pressen. Erst wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, sollten ambulante Verfahren wie Gummibandligatur oder Infrarotkoagulation eingesetzt werden. Eine Operation bleibt fortgeschrittenen oder therapieresistenten Fällen vorbehalten.
Referenz: Qureshi, W., Hoang, S., Frye, J., et al. (2026). AGA Clinical Practice Update on Diagnosis and Treatment of Hemorrhoids: Expert Review. Clinical Gastroenterology and Hepatology. Advance online publication. https://doi.org/10.1016/j.cgh.2026.03.033