Aktuelle Evidenzlage zur veganen, rein pflanzlichen Ernährung

Die Daten sprechen eindeutig dafür, dass eine gut geplante vollwertige pflanzliche Ernährung bei den häufigsten chronischen Erkrankungen enorme Vorteile bringt — insbesondere für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, LDL-Cholesterin und Krebsrisiken. Gleichzeitig gibt es robuste Hinweise, dass insbesondere verarbeitete Tierprodukte gesundheitliche Risiken erhöhen.

 

 

     

  1. Die stärksten Studien zu gesundheitlichen Vorteilen einer veganen / rein pflanzlichen Ernährung
  2.  

 

 

A) Umbrella Review 2023 — wichtigste Übersichtsarbeit

 

„Evidence of a vegan diet for health benefits and risks“

 

(umbrella review von Meta-Analysen und klinischen Studien)

 

Diese Arbeit gilt aktuell als eine der umfassendsten Übersichten zur veganen Ernährung. Sie wertete systematische Reviews und Meta-Analysen aus.

 

Zentrale Ergebnisse:

 

Eine vegane Ernährung war assoziiert mit:

     

  • niedrigerem LDL-Cholesterin
  • niedrigerem Gesamtcholesterin
  • niedrigerem Blutdruck
  • geringerem BMI
  • geringerem Risiko für Typ-2-Diabetes
  • besserer Blutzuckerkontrolle
  • reduziertem Risiko für ischämische Herzkrankheit
  •  

Besonders stark war die Evidenz bei:

     

  • kardiometabolischer Gesundheit
  • Blutfetten
  • Gewichtsreduktion
  •  

Die Autoren betonen aber:

     

  • Richtige Durchführung ist entscheidend
  • Vitamin B12 muss supplementiert werden
  • Omega-3, Eisen, Zink, Jod und Calcium sollten beachtet werden
  •  

Referenz: Bakaloudi, D. R., Halloran, A., Rippin, H. L., Oikonomidou, A. C., Dardavesis, T. I., Williams, J., Wickramasinghe, K., Breda, J., & Chourdakis, M. (2021). Consumption of a plant-based diet and its impact on health: An umbrella review of systematic reviews. Critical Reviews in Food Science and Nutrition, 61(21), 1–15. https://doi.org/10.1080/10408398.2020.1810481

 

 

 

B) Stanford Twin Study (JAMA Network Open, 2023)

 

Eine der methodisch interessantesten Studien.

 

Eineiige Zwillinge wurden verglichen:

     

  • gleiche Gene
  • ähnliche Umwelt
  • vegan vs. omnivor über 8 Wochen
  •  

Ergebnis:

Die vegane Gruppe zeigte:

     

  • deutlich niedrigere LDL-Werte
  • niedrigere Insulinwerte
  • Gewichtsreduktion
  • bessere Herz-Kreislauf-Marker
  •  

Warum ist diese Studie so wichtig?

Weil genetische Unterschiede weitgehend ausgeschlossen wurden.

 

Referenz: Landry, M. J., Ward, Z. J., Cunanan, K. M., Cooper, A., et al. (2023). Cardiometabolic effects of omnivorous vs vegan diets in identical twins: A randomized clinical trial. JAMA Network Open, 6(11), e2344457. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2023.44457

 

 

 

C) Adventist Health Studies (AHS-2)

 

Eine der grössten und bekanntesten Langzeitkohorten.

 

Zehntausende Teilnehmer über viele Jahre beobachtet.

 

Ergebnisse:

 

Vegane Teilnehmer hatten:

     

  • geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes
  • geringeren Blutdruck
  • geringeres Risiko für Herzkrankheiten
  • geringeren BMI
  • niedrigere Krebsraten
  •  

Die Adventist-Studien sind besonders wertvoll, weil:

     

  • Rauchen und Alkohol dort sehr selten sind
  • Lifestyle-Variablen besser kontrolliert werden konnten
  •  

Referenz: Tonstad, S., Butler, T., Yan, R., & Fraser, G. E. (2009). Type of vegetarian diet, body weight, and prevalence of type 2 diabetes. Diabetes Care, 32(5), 791–796. https://doi.org/10.2337/dc08-1886

 

 

 

D) EPIC-Oxford Study

 

Grosse europäische Kohortenstudie.

 

Befunde:

 

Veganer (und Vegetarier) hatten:

     

  • niedrigere LDL-Werte
  • geringeres Risiko für ischämische Herzkrankheit
  • niedrigeren Blutdruck
  •  

Interessant:

Einige Analysen zeigten leicht erhöhte Risiken für:

     

  • Schlaganfälle bei sehr niedriger B12-/Omega-3-Versorgung
  •  

Das zeigt:

Eine vegane Ernährung ist nur dann sehr gesund, wenn sie muss fachlich sauber umgesetzt praktiziert wird.

 

Referenz: Tong, T. Y. N., Appleby, P. N., Bradbury, K. E., et al. (2019). Risks of ischaemic heart disease and stroke in meat eaters, fish eaters, and vegetarians over 18 years of follow-up. BMJ, 366, l4897.

https://doi.org/10.1136/bmj.l4897

 

 

 

E) Meta-Analyse zu veganer Ernährung und Herz-/Stoffwechselgesundheit

 

Systematische Übersichtsarbeit über Interventionsstudien.

 

Ergebnisse:

 

Vegane Ernährung führte zu:

     

  • besserer Insulinsensitivität
  • geringerem HbA1c
  • Gewichtsverlust
  • niedrigerem LDL
  • verbesserten metabolischen Parametern
  •  

Besonders relevant bei:

     

  • Übergewicht
  • Prädiabetes
  • Diabetes Typ 2
  •  

Referenz: Kahleova, H., Levin, S., & Barnard, N. D. (2017). Cardio-metabolic benefits of plant-based diets. Nutrients, 9(8), 848. https://doi.org/10.3390/nu9080848

 

 

     

  1. Die stärksten Studien zu gesundheitlichen Nachteilen von Tierprodukten
  2.  

 

 

A) WHO / IARC: Verarbeitetes Fleisch = krebserregend

 

Das ist wahrscheinlich die bekannteste Bewertung.

 

Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der WHO wertete über 800 Studien aus.

 

Ergebnis:

 

Verarbeitetes Fleisch:

 

wird als „karzinogen für Menschen“ eingestuft (Gruppe 1)

 

Beispiele:

     

  • Wurst
  • Speck
  • Salami
  • Schinken
  • Hot Dogs
  •  

Rotes Fleisch:

 

wird als „wahrscheinlich karzinogen“ eingestuft (Gruppe 2A)

 

Besonders betroffen:

     

  • Darmkrebs
  •  

Referenz: Bouvard, V., Loomis, D., Guyton, K. Z., et al. (2015). Carcinogenicity of consumption of red and processed meat. The Lancet Oncology, 16(16), 1599–1600. https://doi.org/10.1016/S1470-2045(15)00444-1

 

 

 

B) Mechanistische Krebsforschung

 

Die WHO/IARC nennt mehrere Mechanismen:

 

Problematische Stoffe:

     

  • Nitrosamine
  • Häm-Eisen
  • heterozyklische Amine (HCAs)
  • polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAHs)
  •  

Diese entstehen besonders bei:

     

  • Pökeln
  • Räuchern
  • Grillen
  • starker Erhitzung
  •  

Referenz: Cross, A. J., Ferrucci, L. M., Risch, A., et al. (2010). A large prospective study of meat consumption and colorectal cancer risk: An investigation of potential mechanisms underlying this association. Cancer Research, 70(6), 2406–2414. https://doi.org/10.1158/0008-5472.CAN-09-3929

 

 

 

C) Herz-Kreislauf-Erkrankungen

 

Viele grosse Kohorten zeigen:

Hoher Konsum von:

     

  • verarbeitetem Fleisch
  • stark gesättigten tierischen Fetten
  •  

korreliert mit:

     

  • höherem LDL
  • höherem Risiko für koronare Herzkrankheit
  • höherem Risiko für metabolisches Syndrom
  •  

Die Evidenz ist hier insgesamt ziemlich konsistent.

 

Referenz: Micha, R., Wallace, S. K., & Mozaffarian, D. (2010). Red and processed meat consumption and risk of incident coronary heart disease, stroke, and diabetes mellitus: A systematic review and meta-analysis. Circulation, 121(21), 2271–2283. https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.109.924977

 

 

 

D) Diabetes Typ 2

 

Mehrere Meta-Analysen zeigen:

Höherer Konsum von:

     

  • verarbeitetem Fleisch
  • rotem Fleisch
  •  

ist assoziiert mit:

     

  • erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes
  •  

Mögliche Mechanismen:

     

  • Entzündung
  • Insulinresistenz
  • Häm-Eisen
  • AGE-Produkte durch Erhitzung
  •  

Referenz: Pan, A., Sun, Q., Bernstein, A. M., et al. (2011). Red meat consumption and risk of type 2 diabetes: 3 cohorts of US adults and an updated meta-analysis. American Journal of Clinical Nutrition, 94(4), 1088–1096. https://doi.org/10.3945/ajcn.111.018978

 

 

     

  1. Wichtige wissenschaftliche Einordnung
  2.  

Eine seriöse Einordnung ist entscheidend.

 

Was die Evidenz NICHT sagt:

 

Sie sagt nicht:

     

  • „vegan ist automatisch gesund“
  • „alle Veganer leben länger“
  •  

Was die Evidenz relativ klar zeigt

 

Stark unterstützt:

 

Eine vollwertige pflanzliche Ernährung mit:

     

  • Gemüse
  • Hülsenfrüchten
  • Vollkorn
  • Obst
  • Nüssen
  • Samen
  •  

verbessert viele Gesundheitsmarker.

 

Ebenfalls stark unterstützt:

 

Verarbeitete Fleischprodukte sind gesundheitlich höchst problematisch.

 

 

     

  1. Wissenschaftlicher Konsens heute
  2.  

Die meisten grossen Fachgesellschaften vertreten sinngemäss:

 

Eine gut geplante vegane Ernährung kann:

     

  • in allen Lebensphasen funktionieren
  • gesundheitliche Vorteile bringen
  • chronische Krankheiten reduzieren
  •  

Wichtige Voraussetzung:

     

  • B12-Supplementierung
  • ausreichende Proteinzufuhr
  • Omega-3, Eisen, Jod, Calcium beachten
  •  

 

 

Fazit zur Evidenzlage

 

Die stärksten Daten sprechen heute dafür, dass:

     

  • eine vollwertige pflanzliche Ernährung gesundheitlich am besten ist
  • insbesondere Herz-Kreislauf- und Stoffwechselkrankheiten reduziert werden
  • verarbeitete Tierprodukte gesundheitlich höchst problematisch sind
  • stark verarbeitetes Fleisch klar mit Krebsrisiken assoziiert ist
  •  

Die beste Evidenz spricht allerdings eher für:

 

„whole-food plant-based“

 

als für:

 

„vegan um jeden Preis“

 

Denn:

     

  • vegane Junk-Food-Ernährung existiert ebenfalls
  • Qualität der Lebensmittel ist entscheidend.
  •